
Rund 30 Leute haben auf der Passhöhe ihre Wanderschuhe enger geschnürt und den Weg auf sich genommen, alle ein Bündel Holz im Rucksack. Alle mit einem gemeinsamen Ziel: Ein Mahnfeuer anzuzünden, um der Welt mitzuteilen, dass die Übernutzung und Zerstörung der Bergwelt ein Ende finden muss. «Es haben allerlei Leute an dem Anlass teilgenommen, nicht nur Vereinsmitglieder. Und was mich noch mehr begeistert hat: Alle Generationen waren vertreten», erzählt Susan Curty vom Grimselverein dieser Zeitung. Denn das Thema bewege und beschäftige, egal in welchem Alter.

Die grossen, schönen Alphörner von Christian Lehmann und Hans Stettler sorgten für die idyllische Hintergrundmusik, die zur Kulisse der Bergwelt gehört. Die Herren sind nicht das erste Mal beim Mahnfeuer dabei, denn diese Aktion hat eine lange Tradition, dies im ganzen Alpenraum. Die Höhenfeuer in den Alpen werden seit 1988 entzündet. Sie sollen laut Cipra Schweiz – Internationale Alpenschutzkommission – ein Zeichen sein für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Erbes im Alpenraum.



Spezifische Anliegen im Fokus
Den Grimselverein beschäftigt so einiges, beispielsweise das immer grössere Verkehrsaufkommen auf dem Pass oder auch die Trift. Letzteres ist ein aktuelles Thema, denn die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) plant im Triftgebiet einen neuen grossen Stausee zu bauen. Der Verein ist nicht alleine, denn es gibt auch ein Triftkomitee. Es schreibt in einer aktuellen Mitteilung: «Der eindrückliche Rückzug des Gletschers innert weniger Jahre hat eine einmalige Seen-Landschaft freigelegt, welche geschützt werden muss.» Um sich gegen die Pläne zu wehren, findet diesen Samstag und Sonntag jeweils eine Demonstration statt (siehe Kasten).
Susan Curty wird auch vor Ort sein. «Wir müssen grösser denken, als nur für uns. Wir müssen die Gletscher, die Bergwelt und eben auch das Triftgebiet für die nächste Generation schützen.» Ihr sei klar, dass die Wasserkraft umweltschonender als andere Stromproduktionen sei, doch die Technologie befinde sich in einem ständig weiterentwickelnden Prozess, den die Gesellschaft und auch Unternehmen im Auge behalten müssten. Auch die kleinen Ökosysteme seien schützenswert und besonders systemrelevant für das grosse Ganze. «Alles hängt zusammen, sogar die Entwicklung in den Städten. Indem diese immer mehr Grünflächen vernichten und Naherholungsgebiete verschwinden, müssen die Städter verständlicherweise auch in die Berge reisen, um Natur und Ruhe zu erleben. Dies wiederum verursacht ein grösseres Verkehrsaufkommen und auch Menschenmassen in unseren Bergregionen, die beide vermieden werden könnten.»
Demonstration des Triftkomitees für den Erhalt der einmaligen Landschaft
Mitglieder des Triftkomitees demonstrieren am Samstag und Sonntag, 15. und 16. August, in der Trift gegen die Pläne der Kraftwerke Oberhasli (KWO), im Triftgebiet einen neuen grossen Stausee zu bauen. In seinem Manifest und in einem Energiegutachten zeige das Triftkomitee ökonomischere umweltverträgliche Alternativen der Energieversorgung und Energiespeicherung auf, wie es in der Mitteilung heisst. Mit dem gleichen Investitionsvolumen liesse sich mittels Photovoltaik-Anlagen doppelt so viel Strom erzeugen. Neue Technologien zur Speicherung der Sommerspitzen für den Winter wie «Power to Gas» seien in der Entwicklung bereits weit fortgeschritten und würden an Effizienz noch weiter zulegen. «Ein Stausee in der Trift könnte nur mit massiven Subventionen realisiert werden», heisst es weiter.


Die letzten noch unverbauten Täler im infrastrukturreichen Schweizer Alpenraum müssten erhalten werden. Genau wie die benachbarten BLN-Gebiete (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) gehöre auch die Trift unter den Schutz des Bundes gestellt. «Diese grossartige Bergwildnis besitzt einen hohen landschaftlichen und ökologischen Wert, den es zu erhalten und zu fördern gilt». Wie in der Trift würden heute unter den schmelzenden Gletschern an vielen Orten der Alpen neue Gletschervorfelder entstehen.

Ihre Botschaft werden die Mitglieder des Triftkomitees am heutigen Samstag vor Ort in einer Protestvisite zum Ausdruck bringen. Sina Schneider, Präsidentin von Mountain Wilderness Schweiz werde die hohe Wildnisqualität des Triftgebiets zur Sprache bringen. SP-Nationalrätin Martina Munz sei überzeugt, dass «die Erhaltung der letzten unberührten Naturlandschaften höher zu gewichten ist als der Bau eines neuen Stausees, der nur einen untergeordneten Beitrag an die Energiewende und den Klimaschutz zu leisten vermag». Anlässlich einer Exkursion am Sonntag, 16. August, werde die Biologin Mary Leibundgut die Pflanzen- und Tierweltvielfalt im Gletschervorfeld des Triftgletschers vorstellen. Mehr Informationen gibt es unter: www.rettet-die-trift.ch


